Soaking – ein Artikel von Ed Piorek

Soaking in Gottes Liebe

von Ed Piorek, übersetzt von Christian Herrling

Wer 2002 bei der „Father Loves You“ Konferenz in Dresden in die Sprecher-Lounge hineinschaute, wird wohl gedacht haben, dass das, was er dort sah, etwas merkwürdig wirkte. Drei Leute lagen auf ihrem Rücken neben dem Buffet-Tisch, alle mit in die Luft gestreckten Armen, zwei mit Tränen in den Augen und einer sagte: „Es kann gar nicht noch besser werden!“

Ich kann mich noch gut an diesen Moment erinnern, denn ich war einer der drei Leute auf dem Boden. Nach mehreren intensiven Tagen des Dienstes stand ich nach dem Essen neben John und Carol Arnott. John erwähnte, wie begeistert er davon war, dass Gottes Liebe sich während der Gottesdienste in Dresden so stark zeigte. Spontan hob er dann seine Arme um dem Vater zu danken, und während er das tat, überwältigte uns Gottes Gegenwart. Wir fanden uns auf dem Boden wieder, zwischen den Sofas und dem Hühnchen, ohne den geringsten Wunsch, wieder aufzustehen. Wir blieben liegen, während der Strom von Gottes Vaterliebe wie flüssige Wellen über uns wusch. Wir „soakten“, nahmen es auf wie ein Schwamm. Als wir schließlich für das nächste Treffen aufstanden, waren wir erfrischt und vorbereitet.

Ein Jahr später teilte John mit mir seine Vision für Soaking-Zentren. Was wir in der Erneuerung „soaking“ nennen, ist das, was der Kirche Jahrhunderte lang als Kontemplatives Gebet bekannt war. Christen suchten nach Ruhe und Soaken in Gottes Gegenwart seit mittelalterliche Mönche Gottes Gegenwart in der Stille der Klöster suchten.

Laut dem Wörterbuch „Oxford English Dictionary“ ist Kontemplation eine Form des Gebets, in der eine Person eine direkte Erfahrung mit dem Göttlichen sucht, um in Gottes Gegenwart gesättigt zu werden. Zwar sind wir nicht alle berufen, im Kloster zu leben, dennoch haben wir alle denselben „Klosterhunger“, in der Gegenwart Gottes zu leben, der zumindest fünf wichtige Vorteile bietet. Schauen wir uns diese einmal an.

Die Beziehung zu Gott genießen

Der erste Vorteil von Kontemplation oder Soaking ist, dass wir uns Zeit nehmen, uns an unserer Beziehung zu Gott zu erfreuen. Henri Nouwen schreibt: „Einsamkeit beginnt mit einer Zeit und einem Ort für Gott, und zwar für Gott allein.“ Der erste Schritt zum Soaking ist das zu stoppen, was wir gerade tun und einen Raum zu schaffen, den Gott bewohnen kann. Durch ehrfürchtige Anbetung und Gebet machen wir einen solchen Platz für Ihn. Wenn Er zu uns kommt, betreten wir einen Raum der Intimität mit Ihm. Unser Fokus ist darauf, mit Ihm zu sein, nicht in erster Linie, etwas für Ihn zu tun. Jesus‘ Modell geistlichen Lebens ist eine Kombination von Sein und Tun – Er nahm sich Zeit, um einfach mit Seinem Vater in Einsamkeit zu sein, inmitten eines ausgefüllten Zeitplans, um den Willen Seines Vaters zu tun (Markus 1,35).

Es ist so einfach, zu beschäftigt damit zu sein, viele Dinge für Gott zu tun, dass wir wenig Zeit damit verbringen, es einfach zu genießen, mit Ihm zu sein. Die schnelle Leistungsgesellschaft, in der wir leben, bedrängt oft auch unsere christlichen Leben. Wir können anfangen, uns durch unsere Produktivität zu definieren und vergessen, dass wir Objekte von Gottes Liebe sind, was viel wichtiger ist als unsere Produktivität. Kontemplation ist eine Entscheidung zu der Einfachheit dieser liebevollen Beziehung. Die Vorteile dieser Intimität mit Gott sind überwältigend.

Lernen, von Gott zu empfangen

Kontemplative Anbetung und Gebet haben das Ziel, mehr von Gott zu empfangen. In anderen Formen von Gebet und Anbetung haben wir das aktive Ziel, Ergebnisse für das Königreich Gottes zu erzielen. Im kontemplativen Gebet positionieren wir uns an einem eher passiven Ort. Wir wollen die Gegenwart des Königreiches an uns arbeiten lassen. Jesus zeigte diesen Ort des Empfangens, als er Johannes erlaubte, Ihn im Jordan zu taufen (Markus 1,9-11). Als Jesus aus dem Wasser kam, stoppte Er, betete und wartete, um zu empfangen. Die Himmel öffneten sich und Er empfing die Salbung der Kraft des Heiligen Geistes. Der Vater sprach Seine bestätigende Liebe zu Seinem eingeborenen Sohn laut genug, dass jeder Umstehende es hören konnte.

Das ist der Prototyp für jede errettete Person. Jesus zeigte das Vorbild, dass jeder Christ sich Zeit nehmen muss, um von Gott zu empfangen. Jeder muss den Raum im Leben schaffen, um vom Heiligen Geist bevollmächtigt und von der Vaterliebe umarmt zu werden.

Henri Nouwen sagt: „Die echte Gebetsarbeit ist, still zu werden und der Stimme zuzuhören, die gute Dinge über mich sagt … und hier die leise intime Stimme zu entdecken, die sagt: ‚Du bist mein geliebtes Kind!’“ Ich habe in der Vergangenheit beim Beten viel Energie investiert, um ein Wort Gottes zu hören, das mir den Weg weisen sollte. Jetzt erkenne ich, dass das beste Wort, das ich erhalten kann, eins darüber ist, wie sehr Er mich liebt. Es tut mehr für mich als irgendetwas anderes.

Eintreten in die Ruhe Gottes

Kontemplation ist auch der Weg, in Gott zu ruhen. Als John, Carol und ich auf dem Boden lagen, haben wir uns offensichtlich körperlich von den Anstrengungen des Dienstes bei der Konferenz ausgeruht. Äußerlich nicht sichtbar war, dass wir in einem unsichtbaren Strom der Gegenwart von Gottes Kraft und Liebe ruhten. Im Neuen Testament heißt das Wort „Ruhen“ sowohl Beenden als auch Erfrischen. Wir müssen von etwas ruhen, um in etwas zu ruhen. Man könnte sagen, zu ruhen ist, unsere Anstrengungen eine Weile zu stoppen und in der Gegenwart der Liebe einzuweichen (zu soaken). Kontemplatives Gebet ist der Ruf zu diesem Ruheort.

Heidi Baker (eine Missionarin aus Mozambique, Anm. d. Übs.) sagte kürzlich, eine Bedrohung andauernder Erneuerung sei Erschöpfung. Sie fügte hinzu, das Gegenmittel zu Erschöpfung sei zu lernen, in eine tiefere Ruhe in Gottes Liebe einzutreten. Nachdem sie in Toronto war, lernte sie regelmäßig in Gottes Gegenwart zu soaken. Es ist ein Schlüssel zu Fruchtbarkeit in ihrem Leben und Dienst geworden. St. Augustinus stimmt zu, wenn er sagt: „Unsere Seelen sind ruhelos, bis sie ihre Ruhe finden in Dir.“ Fr. Thomas Keating geht noch einen Schritt weiter: „Die größte Ruhe von allen ist die Ruhe der vollkommenen Liebe.“ Da finden wir Entlastung, Ruhe und Erneuerung. Ich mag die Art, wie es Carol Arnott mir gegenüber einmal beschrieb: „Es ist, als ruhte ich in ‚reiner Liebe‘.“

Ein Spiegelbild Gottes werden

Diese verlängerte Zeit in Gottes Gegenwart lässt uns mehr zu einem Spiegelbild Gottes werden. Je mehr Zeit wir mit Ihm verbringen, desto mehr merken wir, wie wir werden wie Er. Seine manifeste Gegenwart verändert uns übernatürlich in Sein Ebenbild. Es macht aus uns bessere Leute. Höre auf Henri Nouwens Beschreibung des Lebens von St. Antonius von Ägypten: „St. Antonius verbrachte zwanzig Jahre seines Lebens in Abgeschiedenheit. Als er sie verließ, nahm er seine Einsamkeit mit sich und teilte sie mit allen, die zu ihm kamen. Die ihn sahen, beschrieben ihn als ausgeglichen, freundlich und fürsorglich. Er war so strahlend von Gottes Liebe geworden, dass sein ganzes Sein nun sein Dienst war.“ Er war zu einem Spiegelbild Gottes geworden.

In den Jahren der Erneuerung habe ich viele Leute beobachtet, die nach einer „Teppich-Zeit“ („Carpet time“, „Teppich – Zeit“ beschreibt Menschen, die unter Gottes Kraft zu Boden fallen und dort eine Begegnung mit Gott haben oder die sich aus eigenem Antrieb auf den Boden legen und in Gottes Gegenwart ausruhen („soaken“). Anm. d. Übs.) auf dem Boden deutlich zum Positiven verändert aufstanden. Es sollte uns nicht überraschen, dass eine mächtige Begegnung mit dem Gott der Liebe uns zu liebevolleren Personen machen kann. Was mir wirklich die Augen geöffnet hat, war die Entdeckung, dass wenn ich mir Zeit nehme, um kontemplativ in der stillen Ruhe Seiner Gegenwart zu soaken, ich selbst radikal verändert werde. Selbst wenn nicht viel zu passieren scheint und ich beginne zu denken, ich würde nur meine Zeit vergeuden, durchdringt mich etwas Tieferes, was meine Fähigkeit, es unmittelbar zu verstehen, übersteigt. Seine Gegenwart verändert mich.

Vor einiger Zeit hatte ich mir eine Auszeit von mehreren Tagen für persönliches kontemplatives Gebet in einem Benediktinerkloster hoch auf einem Berg über dem Pazifik genommen. Ich verbrachte meine Zeit damit, über Gottes Wort zu meditieren, leise zu beten und zu wandern, während ich Soaking-Lobpreis hörte. Als ich zurückkehrte, erzählte ich meiner Frau, vielleicht mit etwas Enttäuschung in meiner Stimme, dass ich nicht die gewaltige Begegnung mit Gott hatte. Sie sagte mir: „Aber du bist jetzt friedlicher als vorher. Es ist schön, dich in der Nähe zu haben.“ Ich glaube, etwas sehr Gutes war passiert. Seine Gegenwart hatte mich verändert und ich strahlte sie wider.

Die Berufung erneuern

Schließlich endet wahre Kontemplation mit einer Erneuerung unserer Berufung. Das Ergebnis davon, in Seiner Liebe zu soaken ist, ausgesandt zu werden, um diese Liebe weiterzugeben. Bei Seiner Taufe wurde Jesus nicht nur eingetaucht in Kraft und Liebe, Er wurde auch ausgesandt in Seinen öffentlichen Dienst. Etwas Ähnliches passiert mit uns, wenn wir in die Gegenwart Gottes eingetaucht werden. Diese auswärts gerichtete Bewegung bewahrt uns davor, zu sehr nach innen zu schauen und passiv zu werden, und stattdessen auf andere zu zu gehen. Erstaunlicherweise werden wir, je mehr wir in Gottes Gegenwart ruhen, umso mehr fähig, in Kraft und Liebe anderen Menschen zu dienen.

Als St. Antonius aus seiner Einsamkeit zurückkehrte, hatte er einen bedeutenden Dienst, begleitet von Zeichen und Wundern, der Menschenscharen berührte, die zu ihm kamen um Heilung, Trost und Richtung zu bekommen. Auch wenn die Skala der Ergebnisse in unseren Leben unterschiedlich ausfallen kann, die Dynamik ist dieselbe. Kontemplative Zeiten in der manifesten Gegenwart Gottes leiten uns in fruchtbringenderes Leben im Königreich Gottes.

Mehrere Jahre sind vergangen seit dem Tag, an dem John, Carol und ich auf der Konferenz in Dresden auf dem Boden lagen. Seitdem habe ich schon viele weitere kontemplative Soaking-Zeiten erlebt. Mehr denn je kann ich Johns Worten zustimmen: „Es kann gar nicht noch besser werden!“

Anmerkungen:

Dieser Artikel ist zuerst erschienen in: Spread the Fire – magazine. © 2007 by Toronto Airport Christian Fellowship. Übersetzt von Christian Herrling

Ed Piorek ist Pastor seit 1972. Er war einer der Gastredner auf der „Father Loves You“ („Vater liebt dich“) – Konferenz 2002 in Dresden und ist Autor des Buches: Nahe am Vaterherz.

Christians Praxistipps für kurzentschlossene Soaker:

  • CD mit leiser Instrumentalmusik
  • bequem hinlegen
  • Gott machen lassen

Empfehlen kann ich folgende CD’s von Eric Terlizzi, Pablo Perez und Steven Burgess:

            

Hier gibt es kostenlos Lieder zum Soaken:

YouTube

Ich freue mich über Kommentare, Fragen und deine Erfahrungen.

Sei gesegnet,

Christian

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